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Artikel von Werner Jäckle

  

Quelle: Archiv Schaffhauser Nachrichten (www.shn.ch)



Freitag 26. April 2002, Region

Nachthimmel: Mit einer Sensation

Neuer Komet in Sicht: Rückkehr nach langer Zeit

Ein Besucher aus dem All ist am Nachthimmel zu sehen: Nach mehr als 300 Jahren ist Komet Ikeya-Zhang zurückgekehrt.

Von Werner Jäckle und Urs Leu

Nachdem in den Jahren 1996 und 1997 die Kometen Hyakutake und Hale-Bopp die grossen Sensationen am Himmel waren, die wohl noch jedermann in bester Erinnerung sind, wurde in der Fachpresse auf den neuen Kometen Ikeya-Zhang hingewiesen. Der Komet wurde erst Anfang Februar vom Japaner Kaoru Ikeya und dem Chinesen Daqing Zhang entdeckt. Er wurde offiziell als Komet C/2002 C1 katalogisiert. Am 30. April 2002 erreicht Ikeya-Zhang mit 60 Millionen Kilometern den erdnächsten Punkt. Der leidenschaftliche Schaffhauser Astronom Werner Jäckle, der jahrelang auch als Demonstrator an der Schaffhauser Sternwarte amtete, nahm sich vor, den Kometen Ikeya-Zhang am Nachthimmel zu finden.
Nachfolgend schildert Werner Jäckle seine «Annäherung» an den Kometen: «Ein Berner Astronom teilte mir für das vorgesehene Datum den 11.  April 2002 auf dem Randen die Koordinaten mit, welche lauten: Rektaszension 00 02,1; Deklination 51 02 ; Helligkeit 4,6 mag.» Meteorologisch liess sich Jäckle von Rudolf Demmerle beraten, der sich aufgrund seiner segelfliegerischen Aktivität sehr gut auskennt. «Er gab mir für das erwähnte Datum folgende Prognose: Nördlich der Alpen Föhn, und so lange dieser anhält, kann mit Lücken in der Wolkendecke gerechnet werden. Die Chancen stehen 50 zu 50.» Den weiteren Verlauf der Suche schildert Jäckle wie folgt: «Am 11.  April 2002 um 19 Uhr befand ich mich auf dem Randen und richtete das Instrument ein, der Himmel war total bedeckt, es hiess einfach warten und hoffen! Um 21 Uhr war plötzlich in einer Wolkenlücke die Venus sichtbar, die ich sofort als Eichstern benützen konnte, und 5 Minuten später war sie verschwunden. Um 21.55 Uhr das grosse Wunder: Das Sternbild Cassiopeia wird deutlich sichtbar, ich gebe dem im Instrument eingebauten Computer die Koordinaten ein, drücke die Tasten Enter und Go To, Ra- und Dec-Motor stellen das Instrument innert 8  Sekunden in die richtige Position, und ein Piepston bestätigt, dass der Komet gefunden ist. Und es ist ein überwältigender Anblick! Er kann mit den Kugelhaufen M 13 im Herkules oder M  15 im Pegasus verglichen werden.» Bereits um 22.15 Uhr schloss sich die Wolkendecke definitiv.
Bis zum 27. April verhindert nun die Vollmondphase ein Auffinden, ab 28. April stehen die Chancen aber gut. Nachstehend die Koordination für den 1. Mai 2002: Rektaszension 19 08. 7; Deklination + 58 55; Helligkeit 5,8; Sternbild Drache; sowie für den 6. Mai: Rektaszension 17 58.4; Deklination + 53 10; Helligkeit 6,2; Sternbild Drache. Empfehlenswerte Standorte für die Beobachtung sind zum Beispiel der Hallauerberg, das Klosterfeld ob Hemmental oder die Umgebung von Lohn. Für die Beobachtung nötige Instrumente: Teleskop ab 100 mm Spiegeldurchmesser, Feldstecher 12 x 80 auf solidem Stativ.

 

 
   

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